Die Dämonenschnecke

Seit mehreren Jahren beschäftige ich, Samuel Tonning, mich schon mit der Erforschung des Astralraums und seiner Kreaturen. So ist mir in letzter Zeit ein Name immer öfter aufgefallen: Yithsalar der Vertilger oder die Dämonenschnecke.

Dieser Bericht bezieht sich auf die Geschichten eines Winninger Barden namens Luttger vom Schleifmühlchen. Dieser Barde erzählt Geschichten über unsere stolzen heimischen Recken, die hinaus in die Welt zogen, um diese zu erkunden, Abenteuer zu erleben und reich zu werden. So auch eine Geschichte über den einheimischen, leider vor kurzem verstorbenen, Meistermagier Abronsius.

Abronsius war ein dickleibiger Magier, der sich den Elementen verschrieben hatte, er war aufrecht und hatte sich der Seite des Lichtes zugewandt. Er glaubte mit voller Inbrunst an Slainte Mhath und huldigte der Göttin der Liebe und der Freude regelmäßig, was meist in einem Besäufnis endete.

So geschah es, daß Abronsius sich auf seinen Reisen einer Abenteurergruppe anschloß und in der kleinen Bergbausiedlung Pfannenberg rastete. Pfannenberg ist ein kleines Dorf, welches sich in der Provinz Eisenberg befindet. Die Menschen und wenige Zwerge, die dort leben, zeichnen sich durch ihre Gastfreundschaft und ihren rauhen Humor aus. Doch diese Gastfreundschaft sollte auch einem großen Teil der Dorfbewohner zum Verhängnis werden.

Abronsius und seine Begleiter rasteten in dem Dorf, weil sie in der Nähe der Siedlung eine kleine, alte, vergessene Zwergensiedlung vermuteten. Nach mehreren Tagen vergeblicher Suche, sie wollten schon fast aufgeben, fanden sie endlich die verlassene Zwergensiedlung. Die Zwergensiedlung zog sich tief in den Berg hinein. Abronsius fiel es zuerst auf - für Winninger Verhältnisse war es sehr trocken in der Siedlung. Und eigentlich, so dachte sich Abronsius, müsse es doch unter der Erde ziemlich feucht sein. "Vielleicht einzigartige Zwergentechnik!", sprach Berwaldt, der Söldner und versuchte Abronsius zu beruhigen.

Sie drangen tiefer in die trockene Höhle ein und fanden mehrere kleine zerstörte Häuser vor. "Welche Kraft hat dies mit den Häusern angestellt?", fragte Irene, die Elfenheilerin.

Die Häuser waren einfach auf den Kopf gedreht. Niemand konnte ihr antworten. Als sie am Ende einer kleinen Höhle angekommen waren, fanden sie eine Tür, die magisch verschlossen war. Ein Rätselschloß versiegelte die Tür. Sie überlegten zusammen mehrere Stunden bis Abronsius die Lösung einfiel. Sie öffneten die Tür und hinter der Tür erkannten sie in dem dunklen, muffigen Raum ein Schimmern. "Der Astralraum, irgend etwas stimmt nicht!", sagte Abronsius. Und dann geschah es, eine dunkle Gestalt manifestierte sich in dem Raum. Wo das Gesicht eigentlich hätte seinen sollen, sah man nur blanke Knochen, die Augen leuchteten diabolisch rot, ihre Hände waren mit großen Klauen versehen, sie trug eine Peitsche und von ihrem Körper konnte man nicht viel sehen, denn er war unter einem langen schwarzen Umhang verborgen.

Sie waren vor Schreck erstarrt und keiner konnte sich mehr rühren. Die Gestalt räkelte sich genüßlich, als sei sie gerade erst nach einem langen Schlaf aufgestanden.

"Vielen Dank, kleine Freunde!", sprach sie. "Was selbst die Schlausten meiner Vasallen nicht erreicht haben, habt ihr geschafft. Deshalb werde ich gnädig sein und euch das Leben schenken. Ich freue mich schon, wieder Haß und Zwietracht unter euresgleichen zu säen, denn ich bin Yithsalar, der Vertilger." Die Kreatur verschwand.

Die Freunde konnten sich nach mehreren Stunden immer noch nicht bewegen. Bei Anbruch des neuen Tages ließ der Zauber aber nach und sie machten sich auf den Heimweg nach Pfannenberg. Dort angekommen, sahen sie ein Bild der Verwüstung. Mehrere Häuser waren abgebrannt und Leichen von kleinen Kindern lagen auf den Straßen.

Sie trafen auf mehrere Überlebende, die sich in den Wäldern verborgen hatten. Sie erzählten von einem Mann in dunklem Umhang, welcher gestern abend in ihr Dorf kam und nach einer Bleibe fragte. Die Dorfbewohner nahmen ihn freundlich auf. Noch am Abend fingen die Streitereien zwischen den Dorfbewohnern an. In der Gaststätte kam es sogar zu einer Messerstecherei und es floß Blut. Der Mann in schwarz saß auch in der Gaststätte und als er das Blut sah, begann er an sich in eine groteske Gestalt zu verwandeln. Er zerteilte den Wirt mit seiner Peitsche in zwei Teile und aß noch sein schlagendes Herz. Wie vor Schreck erstarrt, konnte sich kein Bewohner mehr bewegen. Der Vertilger labte sich an den Körpern und den Schmerzen der Dorfbewohner in der Gaststätte, bis er satt war. Auf dem Weg aus dem Dorf erschlug er noch mehrere Kinder des Dorfes.

Abronsius schlug der Gruppe vor, den Dämon zu suchen und zu töten, aber nach mehreren Wochen erfolgloser Suche gaben sie auf und der Dämon wurde nicht mehr gesehen.

Laut Erzählungen mehrerer Bürger aus den Sturmhöhen soll es im Jahre 1197 zu merkwürdigen Erscheinungen gekommen sein. Eine dieser Erscheinung könnte auch Yithsalar gewesen sein. Denn die Geschehnisse und das Vorgehen des Dämons passen zu seiner Beschreibung.

Ich hoffe, dieser Bericht hilft all jenen, die sich dem Dämon entgegenstellen wollen, denn ich glaube, diese schrecklich Kreatur lebt noch immer unter uns.

Samuel Tonning
Die Sturmhöhen ]

Letzte Änderung am Sonntag, den 1. Juli 2001 - ©2004 Phantastische Welten e.V. - [ email ]