Die großen Ork-Kriege – Ta’Rashs Erzählung

„Seit der Versöhnung der Götter lebten die Orks als ein Volk. Sie dienten den Göttern im ewigen Streite um die Herrschaft. Niemals herrschte Frieden unter ihnen, ständiger Kampf bestimmte ihr Leben. Doch sollte jene Uneinigkeit, jener Wettstreit um den Besten auch ihr Verhängnis sein. Elfen, Zwerge und schlußendlich gar diese abscheulichen Menschen drangen in ihre angestammten, in die von den Göttern den Orks anvertrauten Länder vor. Sie besiegten die Uneinigen durch Hinterlist und feiges Taktieren, vertrieben diese in abgelegene Wälder und unzugängliche Gebirge. In kleinen Banden durchstreiften die Orks ihre einstmals angestammten Gebiete, getrieben von Haß und Gier, doch selbst im Kampfe gegen die Eindringlinge noch uneins, ob der Waffen, der Rüstungen, des Goldes.“

 

Ehrfürchtig lauschten die umsitzenden Orks Ta’Rash, in dessen Augen sich das lodernde Feuer spiegelte wie eine Naturgewalt.

 

„Mit Genugtuung schauten die Götter auf ihr Volk, wie es um ihre Gunst stritt, mit welcher Inbrunst sie verehrt wurden. Um wieviel stärker, mächtiger, höherstehender als alle anderen Völker waren doch die Orks. Wie sollte denn ein Volk nach Höherem streben, wenn es, um die Schwachen zu schützen, die Starken zurücksetzte? Nein, die Orks waren auf dem richtigen Wege. Doch hatten die Götter nicht den Orks, und nur diesen, dieses Land geschenkt? Niemand anderes hatte das Recht sich in diesem Lande niederzulassen, nicht jene bärtigen Kleinwüchsigen, nicht jene spitzohrigen Schwächlinge, nicht jenes Volk, welches sich ausnahm wie eine Mischung der anderen beiden. Es sei denn als Beute für die orkischen Krieger. Jiddah, in seiner allmächtigen Weisheit, durchschaute die Absichten der anderen sogenannten Götter wie ein Fischer, der durch klares Wasser schaut.“

 

Ta’Rash spuckte aus, als er die sogenannten Götter erwähnte.

 

„Die Orks sollten vertrieben werden, um deren schwächlichen Völkern ein geruhsames, zielloses, verweichlichtes Leben zu ermöglichen, das sie allein niemals erringen würden, dessen sie sich niemals würdig erweisen würden. Als Jiddah dies seinen Brüdern offenbarte, herrschte Zorn unter den Göttern. Gormesch drängte darauf, in den Krieg zu ziehen, die Länder mit dem Blut dieser Schwächlinge zu tränken, sie in ihrem eigenen Lebenssaft zu ersäufen. Und dieses Mal stimmten seine Brüder mit ihm überein. Krieg sollte fortan herrschen, die Welt sollte erzittern unter den Schritten der orkischen Heerscharen. Doch wer sollte die Orks einen. Sie hatten geschworen, die Welt nicht mehr zu betreten, bis die letzte aller Schlachten droht.

So entstand Jiddahs Plan, daß sich jeder den Würdigsten suchen und zum Stein, dem Ratplatz der Götter, geleiten möge. Diese drei, zu denen auch ich gehörte, wurden jeweils einer Prüfung unterzogen, ob sie nicht vielleicht nur vordergründig würdig erschienen. Gormesch sandte den furchtbarsten Sturm seit Orkgedenken, durch den sich Forgasz, sein Auserwählter, kämpfen mußte. Erst dann durfte er seinen Kampfesmut beweisen: Gormesch erschuf einen Streiter hoch wie die Gipfel der Sturmhöhen, stark wie der Sturm, der selbst Bäume knickt wie Gras. Forgasz war der letzte, der beim Stein eintraf. Sein linkes Bein war gebrochen, sein linker Arm unnatürlich verdreht, seine linke Gesichtshälfte nur noch rohes Fleisch, sein Säbel und seine Rüstung blutverschmiert, sein Leib zitterte, doch lohte sein verbliebenes Auge voll ungebrochener Kraft und er reckte seinen Arm zum Zeichen des Sieges.

Vordak war der Zweite, der eintraf. Seine Schritte waren ruhig, sein Blick eiskalt. Kein Anzeichen der Anspannung, oder gar der Furcht. Keine Wunde zierte seinen Leib. Kalabanaga selbst hatte den Mond verdunkelt, um seinen Auserwählten zu prüfen. Dunkelheit lag über Vordaks Weg und tödliche Fallen pflasterten ihn. Jeder falsche Schritt bedeutete den Tod, doch nichts vermochte ihn aufzuhalten.

Mein Weg war ein Labyrinth aus tückischen Fallen, Blendwerk, Illusion, Versuchung und Einflüsterung. Jeder andere Ork wäre jämmerlich zugrunde gegangen, hätte sich verirrt, verloren in jenem Meisterwerke der Verlockung, nicht jedoch ich. Ich vermochte den Dingen auf den Grund zu schauen und ihre wahre Gestalt zu erkennen. Ich war der Erste, der zu dem Stein kam, ganz so, wie es erwartet wurde.

Nun, was erwarteten die Götter, jetzt, da wir ihre Prüfungen bestanden hatten? Mit Blut hatten die Götter ihren Pakt besiegelt. Blut erwarteten sie von ihren Dienern. Ich schritt als Erster vor, nahm meinen Opferdolch und opferte....“

 

Ein leichter Schauer erfaßt Ta’Rash, bevor er fortfährt.

 

„Vordak blickte nur einen Augenblick kalt in meine Richtung, als hätte er der Erste sein müssen, bevor er vortrat und auch aus seiner Kehle der rote Lebenssaft floß. Forgasz zögerte kurz, Zweifel flogen über sein Gesicht, doch auch er trat vor und als wollte er sich selbst für seine Unentschlossenheit strafen, nahm er den Säbel und schnitt bis zu den ersten Knochen, ehe er stürzte. Was uns nun begegnete, übersteigt jedes Orken Geiste.

Wir standen den Göttern zu Füßen. Sie saßen auf Stühlen, die bis in den Himmel reichten und sie offenbarten uns unsere Bestimmung: Wir sollten nicht eher ruhen, bis die orkischen Stämme geeint und die Anderen aus unseren Landen vertrieben seien. Erst dann sollten wir die orkischen Paradiese erreichen, wir, die wir ihre Nähe schon so stark gespürt hatten. Schließlich schickten sie uns ins Leben zurück, mischten ihr Blut mit dem unsrigen, auf daß wir ihre Streiter auf immerdar wären.

Wir erwachten nach zwei Tagen, in derselben Reihenfolge, in der wir vorgetreten waren, unsere Wunden waren verheilt und göttliches Blut pulsierte in unseren Adern. Nun war es an uns, die Orks zu einen, die zerstritten in kleinen Banden und Stammesverbänden durch die Lande streiften. Drei ganze Jahre sollten wir durch die Lande ziehen, Unwillige wie Ungläubige, derer es ob der orkischen Natur unzählige gab, gleichermaßen erschlagen, eh sich die Stämme unter unserer Führung zu einer gewaltigen Armee zusammengefunden hatten. Ohne Zahl, wie die Halme der Steppe  oder die Bäume der größten Wälder waren die orkischen Krieger. Dann endlich begann er, der große Krieg.

Wir entschieden uns, zuerst die Zwerge in den Sturmhöhen zu überfallen. Dieses störrische, grimmige Volk hatte uns aus unseren Höhlen vertrieben, uns um unsere Minen betrogen und dafür sollte es nun zahlen. Wir wollten sie überraschen und wir waren bereit, Opfer zu bringen. Niemals marschierte ein Heer derartig rasch. Wie eine Lawine, die talwärts rollte. Auf solch einen Heerzug waren die Zwerge nicht vorbereitet. Ein Scharmützel gegen einige Krieger ihres Volkes ebnete den Weg zum „großen Tor“, dem gewaltigen Bollwerk, das die Hallen der Zwerge schützte. Über drei mannslängen hoch und über zwei mannslängen breit ragte dieses Tor am Ende einer sich verjüngenden Felsspalte auf. Ein kleines Rinnsal plätscherte rechter Hand die Klippen herab und verschwand im Erdboden, um vielleicht irgendwo wieder an die Oberfläche zu treten und in den großen See im Norden zu münden. Nichts war zu sehen von jener Urkraft, mit der es diese Felsspalte erschaffen hatte oder mit der es während der Schneeschmelze wüten mochte......“

Als ekelten ihn seine eigenen Worte, spuckte Ta’Rash aus und nahm einen tiefen Zug aus seinem Krug.

 

„Finstere Schlitze waren im Fels zu sehen und hinter jedem mochte sich einer jener verfluchten Zwerge mit einer dieser seltsamen Waffen, die Pfeile kurz wie die Zwerge selbst verschoß, befinden. Viele unser Krieger ließen ihr Leben, getroffen von eben diesen Pfeilen, als sie versuchten, das Tor zu stürmen.

Doch Jiddahs Stunde sollte kommen! Nach meinen Anweisungen ward eine gewaltige Waffe konstruiert. Ein Gerüst aus sechs Baumstämmen trug an gewaltigen Ketten einen sechzig Fuß langen Rammbock mit stählerner Spitze. Hölzerne Wände schützten die zwanzig Krieger, die nötig waren, um dieses Ungetüm zu bewegen. Von der Wucht des Aufpralls erbebte die Erde, doch das Tor hielt stand. So war es wieder an mir, die Entscheidung herbeizuführen. Geschützt durch Jiddahs Macht schritt ich zur Spitze des Rammbocks und so wie es mir möglich ist, Feuer aus dem nichts zu entfachen oder Waffen zum Glühen zu bringen,“, wie zur Demonstration fingen einige Zweige Feuer und ein orkischer Krieger ließ fluchend seine Waffe fallen, „so ist es mir ebenfalls möglich, magisches Feuer um unsere Klingen spielen zu lassen, um so deren Stärke zu erhöhen....

Magische Flammen züngelten um die Spitze des Rammbocks und das Tor sollte nur noch drei Schläge halten. Jiddahs Werk war getan, nun war Gormeschs Stunde.“

 

Gedankenverloren löschte er das selbst entfachte Feuer.

 

„In der Halle des Königs sollte schließlich ein Tempel zu Ehren Jiddahs erbaut werden. Zum Feiern sollte keine Zeit sein. Es lag noch ein langer Weg vor uns und Orks werden nur allzuleicht träge durch ausschweifende Feiern.....

Am östlichen Ufer des großen Sees südlich des Sakra-Flusses lag damals eine stark befestigte Stadt der Elfen, die durch ihre günstige Lage, Verbindung zu den Zwergen im Süden und schiffbarer Fluß nach Norden ins Reich, zu einer blühenden Handelsstadt geworden war. Sie sollte unser nächstes Ziel sein.

Keinen Tagesmarsch später lag unser Heer vor den Mauern der Stadt. Dies sollte Kalabanagas Sieg werden. Gegen Anbruch der Dämmerung wies Vordak unsere Späher an, das Tor zu beobachten und uns, die Krieger, bereit zu halten, ehe er in der Dunkelheit verschwand. Ich weiß nicht, was er genau machte, geschweige denn, wie er es machte. Vordak ist nicht gerade der Gesprächigste, aber auf einmal gingen die Lichter des Torhauses aus und das Tor, dessen Stärke jedem Ansturm getrotzt hätte, öffnete sich.

Die Schlacht, die nun folgte, verdiente diesen Namen nicht. Unserer Übermacht hatten diese Schwächlinge nichts entgegenzusetzen. Wir rafften alle Waffen, alles Gold, alles irgendwie Wertvolle zusammen, ehe die Stadt ein Opfer der Flammen wurde. Doch wohin mit all unserer Beute, den zwergischen Waffen, dem Mithril, den Edelsteinen, dem Gold?

Wir hatten nicht darüber nachgedacht, was im Falle eines Sieges passieren sollte und so kam es zum Streit, wie es weitergehen sollte. Ich plädierte dafür, in die Elfenwälder einzudringen, um keinen Feind mehr im Rücken zu haben, und noch irgend etwas, ein ungutes Gefühl, zog mich dorthin. Diesmal jedoch sollte sich Forgasz, der, enttäuscht vom bisherigen Kriegsverlauf, auf ein weiteres Vorrücken drängte, durchsetzen. Die legendären Elfenstädte, die weit im Norden jenseits des großen Flusses im verwunschenen, ha, Wald liegen sollten, waren sein Ziel. Er sollte uns zu einem großen Sieg und schließlich zu unserer endgültigen Niederlage führen.

So ließen wir alles zurück, errichteten für Kalabanaga einen versteckten Tempel und überquerten die Sakra, um gen Norden zu ziehen. Den Göttern sei Dank, war es warm, so daß wir uns auf unserem Weg durch das Hügelland keine Gedanken um Schlafplätze machen mußten. Als wir nach einigen Tagen Marsch noch einen schmalen Fluß überquerten, erstreckte sich vor uns eine gewaltige Ebene. Im Westen erstreckten sich die wolkenumzogenen Gipfel des Rokosh-Gebirges gen Norden, im Osten waren die letzten Ausläufer des großen Waldes zu sehen und weit im Norden war der verwunschene,“, Ta’Rash verdrehte die Augen, „Wald zu erahnen. Ein breiter Fluß, ich glaube er wird heutzutage Winning genannt, strömte durch die Ebene und dort wo die vereinigten Ströme Sikra und Makra aus dem Rokosh-Gebirge in diesen mündeten, dort lagerte vor einer palisadenbewehrten Stadt ein menschliches Heer.

Die Banner, die im Winde wehten, kündeten, daß wir erwartet wurden. Das Sonnenfeuer war verdeckt von Gormeschs Wolken, nur weit im Osten drangen einige Strahlen durch die dunkle Wolkenmasse und ließen die Bäume gespenstisch aufleuchten. Ich hatte das Gefühl, als wollte Jiddah mir irgend etwas mitteilen, doch leider ließ ich meine Gedanken von der bevorstehenden Schlacht gefangen nehmen. Wir waren bis dato noch keinen Menschen begegnet, sie wirkten wie eine seltsame Mischung aus Elfen und Zwerge auf uns. Viele von ihnen ritten auf wilden großen Pferden, sie waren groß und kräftig, ihre Haare lang und sie trugen Bärte ähnlich den Zwergen. Als sich unsere Heere gegenüberstanden, löste sich ein Reiter aus ihren Reihen. Ein Hüne mit einer Rüstung aus übereinandergelegten Metallschuppen trug eine im Wind flatternde weiße Fahne. Ich wollte gerade den Bogenschützen Befehl geben, diesen Irren vom Pferde zu schießen, da sah ich wie Forgasz ihm entgegenging. Der Reiter blieb unweit unserer Reihen stehen, Forgasz stand direkt vor ihm, und erhob die Stimme. Er hatte eine laute, tiefe Stimme, nicht solch eine Fistelstimme wie die Elfen, aber er sprach die selbe Sprache wie die Elfen. Er stellte sich als Bregor, Sohn des Bror, vor und forderte, ohne Forgasz eines Blickes zu würdigen, den stärksten unserer Kämpfer zu einem Duell auf Leben und Tod.

Ihr hättet Forgasz sehen müssen, als dieser Krieger es wagte, uns als Feiglinge zu bezeichnen. Ein einziger Hieb seines Säbels trennte dem Pferd den Kopf vom Leib und als der Reiter zu Boden stürzte, fuhr sein Säbel ein weiteres Mal herab. Doch besann Forgasz sich noch eines anderen, was ein trockenes Lächeln auf Vordaks Zügen hervorrief. Es wurden noch einige Beleidigungen ausgetauscht, dann endlich begann der Kampf. Der Hüne, er war noch ein kleines Stückchen größer als Forgasz, war gut. Sie umkreisten einander häufig, stürmten immer wieder einmal vor und bearbeiteten den Schild des Anderen, auf der Suche nach einem Schwachpunkt. Irgendwann verkeilten sie sich ineinander, Forgasz hatte des Kriegers Axt mit seinem Säbel abgefangen und nun maßen sie ihre Kräfte. Forgasz war stärker. Er stieß seinen Gegner weg und führte, während er in die Hocke ging, einen Hieb unter dem Schild des Gegners hindurch, setzte dem nun blutenden Gegner nach und stieß im den Säbel durch den Wanst, daß dieser auf der anderen Seite wieder hervortrat. Ein verdutztes „Ah!“ war alles, was man von seinem zusammensackenden Gegner vernahm.

Danach war die Moral der Menschen gebrochen, sie setzten sich zwar noch zur Wehr, aber die Schlacht hatten sie schon verloren. Einige Frauen und Kinder, die versuchten sich schwimmend über den Fluß zu retten, wurden von unseren Bogenschützen als willkommene Zielübung wahrgenommen. Wann hat man es schon einmal, daß ein Ziel so beherzt schreit und kreischt?

Nach dieser Schlacht war Forgasz endlich zufrieden, er hatte Gormesch Ehre erwiesen, ER hatte die Schlacht gewonnen, nun war er wieder bereit, uns zuzuhören. Das dunkle Gefühl, das ich gehabt hatte, als ich nach Osten geblickt hatte, war stärker geworden. Irgend etwas böses entwickelte sich dort, dort wo die Sonne ihr Licht gespendet hatte. Wir durften keine Zeit verschwenden, das Blut unserer Feinde würde auch später noch fließen, doch dort war etwas, das wir vernichten mußten.....

Endlich zogen wir also dorthin, wo ich das Heer schon vorher hinleiten wollte. Wir stießen kaum auf Widerstand, gelegentlich ein paar elfische Späher, aber kein größeres Heer, keine Befestigung, bis wir auf eine große Lichtung stießen, auf der ein riesiger Fels thronte.

Elfische, zwergische und menschliche Krieger waren um diesen versammelt. Einer von ihnen hielt ein gleißendes Schwert gen Himmel. Sonnenlicht ließ die Klinge wie weißes magisches Feuer brennen und er sprach in jener so unerträglichen Elfenstimme: „Ich bin Hador und dies ist Angruth, Danaes Flamme, geschmiedet von Kruppo Schwarzbart. Hiermit fordere ich Euch auf, Eure Waffen niederzulegen und in Eure Lande zurückzukehren, auf daß der heutige Tag nicht Euer letzter sei.“

Ich wußte, dies war das Werk der Anderen, doch in meiner Verachtung für sie schallte nur höhnisches Gelächter aus meinem Munde, Gelächter, das von Tausenden Orkkehlen aufgenommen wurde, bis kein anderer Laut mehr zu hören war. Dann rückten, nein, eigentlich stürmten wir vor. Forgasz lief voraus, den elfischen Krieger zu töten. „Mal sehen, ob sich Danaes Flamme mit Gormeschs Klinge messen kann.“ An diesem Tage sollte die Entscheidung noch nicht fallen, denn plötzlich wurde der Wald um uns lebendig. Bäume bewegten sich und erschlugen jeden Ork in ihrer Nähe. Wesen aus Erde und Blättern erhoben sich, in den Kampf einzugreifen. Auf einmal herrschte Chaos. Jeder floh in eine andere Richtung und es fiel uns schwer, wieder ein wenig Ordnung herzustellen. Noch schwerer fiel es uns jedoch, den Rückzug oder hämischer gesagt, die Flucht anzutreten.

Unser, ach so tapferes, Heer floh gen Süden. Überall ließen einige ihre hastig zusammengeraffte Beute fallen, um schneller laufen zu können. Es war erbärmlich. Erst als wir die Wälder hinter uns ließen, wurde aus der Flucht so etwas wie ein Rückzug. Die Elfen folgten uns nicht weiter, so daß wir uns sammeln und einigermaßen geordnet zurückziehen konnten. Ich wußte, welches Ziel dieser Hador ansteuern würde und so gab ich Befehl, uns am Platz der Götter zu sammeln. Ich sandte Läufer aus, die jeden kampffähigen Ork, dorthin befehligen sollten. Und so verschanzten wir uns auf der damals noch kahlen Hügelgruppe, um den Orkenstein. Mit jedem Tag, der verging, ward die Zahl unser Krieger größer - schwarze Heerscharen strömten aus dem Süden herbei.

Am sechsten Tage des neunten Monats marschierten die Feinde auf. Sie errichteten ihr Lager jenseits eines schmalen Tales. Weiße Banner und polierte Rüstungen funkelten im verbliebenen Tageslicht, doch waren sie uns zahlenmäßig weit unterlegen. Wir warteten ab. Sollten sie doch den Hügel hinauf kämpfen, wir wurden mit jedem Tage mehr. Bereits am nächsten Morgen hörte ich die blechernen Kriegshörner des Feindes. Sie ließen Reiter ausschwärmen, um ihre Flanken zu decken und formierten ihre Fußkämpfer zu einem Keil, der auf den Platz der Götter zumarschierte.

Forgasz wartete, bis sie den Hügel so weit hinauf waren, daß die Reiter sie nicht mehr deckten, dann ließ er Speerkämpfer an den Flanken hinab, die eventuelle Reiterangriffe abhalten sollten und formierte den Rest zu einer Zange, mit ihm und seinen besten Kriegern im Zentrum. Diesem Angriff sollte keiner von ihnen entgehen. Auf Forgasz Befehl stürmte unser Heer los. Doch verflucht seien die Anderen! Während sich die Zange von hinten schloß, traute sich keiner, Hador oder die Spitze des Keils anzugreifen. Erst Forgasz wagte es, sich Hador in den Weg zu stellen. Diese beiden sollten den Ausgang der Schlacht entscheiden.

Die Schlacht hielt in ihrem Toben inne, als sich diese beiden Krieger gegenüberstanden. Forgasz war bei weitem der Stärkere, Hador vermochte sein Leben nur durch ständige Bewegung zu erhalten. Die Klingen kreuzten sich und rotes und weißes Feuer schlug aufeinander. Ihre Schilde waren längst geborsten, getroffen von den magischen Klingen. Dann, als sich die Klingen ein weiteres Mal mit hellem Tone trafen, stieß Forgasz seinen Gegner mit dem Fuß von sich, setzte mit der Schulter nach und brachte ihn zum Straucheln. Es war wie gegen den menschlichen Krieger. Forgasz ging in die Knie und führte einen Hieb quer über den Bauch seines Gegners. Roter Saft quoll hervor als das Kettenhemd aufplatzte wie eine zweite Haut. Hador taumelte zurück, machte einen Ausfallschritt rückwärts, um sein Gleichgewicht zu halten und verharrte wie ein todgeweihtes Tier.

Doch im Augenblick des höchsten Triumphes bahnte sich die Katastrophe an: Die Sonne kam hinter den Wolken hervor, tauchte das Schlachtfeld in ihr schändliches Feuer und Forgasz, erst irritiert durch das Licht, dann geblendet durch Hadors gleißende Klinge, zögerte, machte einen Schritt zurück und schrie als sich Hadors Klinge durch seine Brust bohrte. Der mächtigste orkische Krieger hatte einen Kampf verloren.

Nun gab es niemanden mehr, der sich Hador in den Weg stellen konnte, die Schlacht begann wieder, aber sie war ohne Bedeutung. Meine Macht, Jiddahs Macht, versagte, als ich versuchte, Hador aufzuhalten und ich, Ta’Rash, oberster Tschakkro aller Orks, verspürte zum ersten Mal so etwas wie Angst, nicht meine eigene, sondern eine unbestimmte nicht faßbare Angst. Konnte es sein, daß selbst die Götter sich fürchteten?

In diesem Moment befahl ich, daß die Kugel mit dem Blute der Götter in Sicherheit gebracht werden solle. Meinem Befehl wurde wohl Folge geleistet, wenn sie auch weiter weggebracht wurde, als ich gedacht hätte. Nun, danach wurde auch ich, als ich versuchte, ihn aufzuhalten, von Hadors Schwert getötet. Auch Vordak muß den Tod gefunden haben, auch wenn ich ihn nicht miterlebte.

Naja, zumindest waren die Überlebenden klug genug, unsere Leichname vom Schlachtfeld zu tragen und in den heiligen Stätten beizusetzen. Ansonsten würdet ihr immer noch führungslos, vielleicht von jener seltsamen Frau unterjocht, dahinvegetieren. Nun auch so hat es fast siebenhundert Jahre gedauert, aber unser Zeit ist wieder gekommen.....

Ach ja, ich erzählte doch, wie Jiddah, Kalabanaga und Gormesch das Sonnenfeuer von dieser Welt bannten. Sie fesselten es mit der mächtigsten jemals geschmiedeten Kette an Himmel, auf daß es niemals wieder zur Erde zurückkehre.

Diese Kette stahlen die Anderen und banden unsere Götter. Sich selbst jedoch gaben sie die Macht über das Sonnenfeuer. Danae nennen sie den Herren der Sonne. Aber ich weiß, daß sich diese Kette sprengen läßt. Wenn die Anderen es schafften, schaffen wir es auch. Ich muß nur noch einmal mit den Göttern sprechen, dann werden wir wissen wie.....“

 

„Und im übrigen bin ich der Meinung, daß die Menschen ausgerottet werden müssen!“

 

 


Letzte Änderung am Montag, den 17. September 2001 - ©2004 Phantastische Welten e.V. - [ email ]