Mythologie der Orks – Ta‘Rashs Erzählung

„Einst, in grauer Vorzeit, es war weder Mond noch Sonne, weder Ork noch Tier, weder Nacht noch Tag, nur Stille und Finsternis. Da trafen Sturm und Erde oder auch Erz aufeinander.“

 

Raschelnd fegte der Wind durch die Blätter und erfaßte wie zur Bestätigung auch Ta’Rashs weißes Haar.

 

Er senkte seine Stimme: „Niemals wieder gab es einen solchen Sturm. Berge wurden gestürzt, Meere aufgepeitscht. Ganze Landmassen in Regen ertränkt, aber der Sturm vermochte die Erde nicht zu bezwingen. Er formte ihr Äußeres, aber erholte er sich von seiner Raserei, so sah er sie stets unbesiegt. Niemals gab er den Kampf auf, doch nur dieser erste Kampf war so voller Leidenschaft, daß dieser drei Söhne entsprangen. Jiddah der Älteste, Kalabanaga als Zweitgeborener und Gormesch der Jüngste.

Jiddah, der weiseste, dessen Auge alles erkennt, da er von Sturm und Erde zu gleichen Teilen erfüllt ist. Kalabanaga, der tückische, biegsam wie die Gerte im Wind und doch grausam und hinterhältig wie die Sümpfe, denen der Unaufmerksame zum Opfer fällt. Gormesch, der kriegerische, rasend vor Kampfes- und Blutdurst wie der Sturm, der über die Ebene fegt.“

 

Er nahm noch einen tiefen Zug aus seinem Bierkrug, bevor er fortfuhr: „Nun, seht ihr? Selbst die besten Späher vermögen nicht, im völligen Dunkel zu sehen und damals ward die Welt nur erhellt von den Blitzen des ewigen Kampfes und dem Feuer, das diese entfachten. Jiddah erkannte schnell das Geheimnis des Feuers und in seiner Weisheit erschuf er jenes ewige Licht, welches wir Mond nennen und wie Jiddah mal dem Sturm mal der Erde dient, so ändern sich die Phasen des Mondes. Zwei Phasen jedoch sind Gormesch und Kalabanaga geweiht: Der volle Mond und der fehlende Mond. Denn Gormesch, der den offenen Kampf liebt, bevorzugt die helleren Mondphasen und einmal in einem Mondlauf gibt Jiddah seinem Drängen nach und läßt den Mond voll erscheinen. Kalabanaga nun bevorzugt die Dunkelheit, weswegen Jiddah einmal im Mondlaufe Düsternis herrschen läßt.

Da nun Licht herrschte, sahen sie wie sich erste Tiere, Bäume, Pflanzen entwickelten, aber es gab niemanden, der ihnen ähnlich war. So machten sie sich daran, ein Volk zu schaffen, welches ihnen gleichen sollte. Doch erschuf jeder sein eigenes Volk. Gormesch ein zahlreiches Volk aus Kriegern, denn wie der Sturm war er voller Energie. Kalabanaga nur wenige tückische und grausame Meuchler und Jiddah erschuf Orks nach seinem Bild: erkennend, weise und doch voller Herrschaftswillen.

Es kam erst zum Streit und schließlich zum Krieg unter den Brüdern. Jeder führte sein eigenes Heer, Gormesch sein gewaltiges Heer aus wilden Kriegern, Kalabanaga sein fast unsichtbares Heer von Meuchlern und Jiddah sein Heer von Schamanen, die die Macht hatten, die Natur zu beherrschen. Es war ein gewaltiges Aufeinandertreffen, Feuer brach aus und verwüstete das Land. Die Heere verbrannten jämmerlich und nur mit gemeinsamer Anstrengung gelang es den Brüdern, dem Feuer Einhalt zu gebieten.

Sie schleuderten es gen Himmel, wo es auch jetzt noch als ewiges Mal ihres Streites als Sonne seine Bahn zieht. Jiddah gelang es, Kalabanaga davon zu überzeugen, daß sie zusammenarbeiten müßten und gemeinsam warfen sie den unwilligen, kriegslüsternen Gormesch nieder und zwangen ihn zur Mitarbeit. Es heißt, daß Gormesch deswegen besonders hart gegenüber Verlierern ist. Zum Zeichen ihrer Zusammenarbeit gaben sie alle einen Teil ihres Blutes und schlossen dieses in ehernen Granit ein. Dieser Stein, von den Menschen Orkenstein genannt, steht dort, wo die Brüder sich bekämpft haben und gilt als ewiges Zeichen ihres Paktes.

Sie jedoch überließen die Welt uns, den Orks, ihrem Volk, hervorgegangen aus den drei älteren Völkern. Fortan wollten sie sich bei diesem Stein treffen und Rat halten, denn dieser Stein grenzt an alle drei Reiche, an Gormeschs ewiges Schlachtfeld, Kalabanagas Reich des Schmerzes und Jiddahs Geisterwelt. Wehe den Orks, die keine Gnade in ihren Augen finden. Sie werden in die Nichtwelt gestoßen, wo sie ohne Kampf, ohne Schmerz, hungernd, dürstend und einsam als Geister bis ans Ende aller Tage existieren werden. Dort suchen sie diesen Stein, um um Gnade oder eine weitere Chance zur Bewährung zu winseln. Opferst Du jedoch dein Blut an jenem Stein, um den Pakt zu stärken, so wirst Du ihre Kraft spüren.“

 

„Und im übrigen bin ich der Meinung, daß die Menschen ausgerottet werden müssen!“

 

 


Letzte Änderung am Freitag, den 21. September 2001 - ©2004 Phantastische Welten e.V. - [ email ]